Briefmarken Sammeln
Briefmarken sammeln hat Retro-Charme
Michaela 11.10.2017

Briefmarken sammeln für Anfänger

Wer sammelt eigentlich heute noch Briefmarken? Ist das nicht völlig „uncool“ und total altmodisch? Ja, vielleicht wirkt es auf so manchen Zeitgenossen altmodisch, aber deswegen muss es noch lange nicht langweilig sein! Und ist retro nicht gerade voll im Trend?

Vintage & Retro

Retro und voll im Trend: edle Uhren
Retro und voll im Trend: edle Uhren (© gmstockstudio / fotolia.com)

Menschen geben viel Geld für einen exklusiven Füllhalter aus, auch wenn sie ohnehin meist nur noch am Computer schreiben. Sie leisten sich einen Oldtimer in der Garage, auch wenn man ihn dann höchstens mal zu einer beschaulichen Ausfahrt ins Grüne an einem Wochenende im Sommer verwenden kann. So mancher Mann trägt eine analoge Armbanduhr, die er von seinem Großvater geerbt hat, auch wenn das Smartphone ohnehin die Uhrzeit anzeigt. Und auf einer etwas anderen Ebene: Einige Menschen tragen mitunter Jeans, die aussehen, als hätten sie schon viele Jahre auf einer Baustelle verbracht, dabei sind sie frisch aus dem Designerladen. „Hipster“ mit Rauschebart und Hornbrille sind nur ein Stichwort zum Thema „retro ist nicht gleich altmodisch“. Briefmarken sammeln passt da natürlich gut ins Bild.

David Sax: Die Rache des Analogen, Residenz Verlag, ISBN: 9783701734078
Buchtipp: David Sax: Die Rache des Analogen, Residenz Verlag; ISBN: 9783701734078

analog & digital

Postkarte mit Charme: analog, handgeschrieben und mit Briefmarke
Postkarte mit Retro-Charme: analog, handgeschrieben und mit Briefmarke frankiert (© Durluby / fotolia.com)

Hier kommt nun David Sax, der kanadische Autor des Buches „Die Rache des Analogen“, ins Spiel: „Weil das Digitale allgegenwärtig ist, sehnen wir uns nun nach Erfahrungen, die haptischer und mehr auf den Menschen ausgerichtet sind“, sagt er und weiß aber auch: Das Digitale ersetzt nicht per se und überall das Analoge, beides hat eigene Gesetze, analog und digital koexistieren. Siehe nur diese Plattform. Womit wir bei den Postkarten landen, die es ja auch digital gibt. Der Trend geht aber eindeutig in Richtung analog. Wer auf sich hält, schreibt heute echte Postkarten, um etwa seinen Freunden einen greifbaren Beweis zu liefern, dass man sich gerade in einer besonders exotischen Destination aufhält. Richtige Postkarten aus Papier oder aus einem anderen kreativen Material, die man mit der Post verschickt (die Zeit vom Versenden zum Ankommen entwickelt hier übrigens neben dem Haptischen einen ganz eigenen Charme). Zusätzlich zu digitalen Postings auf Instagram, Facebook, Twitter und Snapchat versteht sich – ohne Selfie geht ja gar nichts.

Zum Sammeln: Postkarten und Briefmarken aus aller Welt
Zum Sammeln: Postkarten und Briefmarken aus aller Welt (© Tupungato / fotolia.com)

Oder man vernetzt sich übers Postkartenschreiben überhaupt gleich weltweit: „Postcrossing“ ist ein Renner. Man meldet sich auf der Plattform an und schreibt Postkarten an wildfremde Menschen in aller Welt, um dann im Gegenzug ebenfalls Ansichtskarten aus aller Herren und Frauen Länder zu erhalten. Reisen im Kopf sozusagen – die analoge und die digitale Welt ergänzen einander. Und da bietet sich natürlich das Sammeln von Postkarten und auch von Briefmarken an, denn man wird ja ständig mit neuem „Material“ versorgt.

 

Briefmarke gefragt?

Zum Verschicken einer echten Ansichtskarte braucht man bekanntermaßen eine Briefmarke. Und die sind mittlerweile ja schon fast so etwas wie eine Rarität. Bekam man sie früher (in Österreich) noch in jeder Trafik (so nennt man hier die Verkaufsstellen für Rauchwaren und Zeitschriften) und in jeder Postfiliale, so muss man heute mitunter danach suchen.

Das soll sich aber wieder ändern: So wird zum Beispiel (wiederum in Österreich) seit neuestem auch in derzeit 21 Filialen der Österreichischen Post am Postschalter eine Briefmarke auf den Brief geklebt und nicht mehr nur ein schwarz-weißer Klebestreifen, wenn man die Postsendung direkt dort aufgibt. Diese sogenannten Dispenser-Marken sollen helfen, die Briefmarke wieder mehr in den Alltag zu integrieren. Und auf jeden Fall sind sie schöner als ein Papierstreifen mit Strichcode! Man kann sie übrigens nicht einfach kaufen, sondern nur in einem Abonnement beziehen. Oder man gibt einfach eine Postsendung am Schalter auf.

So schön sehen diese neuen Briefmarken aus – sie präsentieren Highlights aus Österreichs Kultur und Landschaft und wurden vom österreichischen Illustrator Roland Vorlaufer im – ja, hier ist es wieder – liebevollen Retro-Look gestaltet:

Sondermarken und „personalisierte“ Briefmarken

Außerdem hat jedes Land sein festgelegtes Markenausgabeprogramm, mit einer unterschiedlichen Anzahl ausgegebener Briefmarken. In Österreich sind es jährlich rund 50 Sondermarken: zu besonderen Jubiläen, Geburtstagen oder Veranstaltungen, in verschiedenen Serien wie Autos oder Landschaften oder einfach zu kulturellen, kultigen oder sonstigen Themen. In vielen Ländern kann man auch seine eigenen Briefmarken entwerfen und drucken lassen und diese dann als normale Frankatur verwenden – vielleicht mit einem Bild der Miezekatze oder dem aufgemotzten Flitzer drauf? Oder vielleicht auch mit dem Foto eines eigenen kreativen Werks?

Auch in den Markenheften, Postkartenheften, Markeneditionen und Markenbüchern der Österreichischen Post sind personalisierte Briefmarken enthalten, die zum jeweiligen Thema passen, seien es nun Katzenbabys, Geburtstagsbriefmarken oder kluge Sprüche.

Briefmarken sammeln? Welche denn?

Diese persönlich designten Marken – die auch gerne von Vereinen oder Unternehmen gestaltet und verwendet werden – sind für klassische Briefmarkensammler üblicherweise eher nicht so interessant. Dafür sind sie das aber vielleicht für Themensammler: So gibt es z. B. jede Menge personalisierter Briefmarken mit wunderschönen Zugmotiven – für einen Eisenbahnbriefmarkensammler sicherlich nicht uninteressant.

Grundsätzlich unterscheidet man ja ganz grob meist mehrere „Typen“ von Briefmarkensammlern:

  • die „klassischen“ Sammler, die nach Jahrgängen oder Ländern sammeln bzw. sich auf ein Gebiet spezialisieren, z. B. Marken aus der DDR, aus der österreichischen Monarchie etc.
  • die Themensammler, die Marken von verschiedenen Ländern nach Themengebieten und Motiven sammeln, z. B. Eisenbahnen, Katzen etc.
  • die Sammler, die Briefmarken als Wertanlage sehen
  • alle Menschen, die aus anderen Motiven sammeln, vielleicht einfach, weil ihnen eine bestimmte Briefmarke besonders gut gefällt.

Mehr dazu gibt es im Artikel „Drei Arten, wie man Briefmarken sammeln kann“. Das heißt aber natürlich nicht, dass man sich in seiner Sammelleidenschaft dadurch einschränken oder sonst irgendwie beeinflussen lassen sollte! Briefmarken sammeln soll doch vor allem Spaß machen!

Das Briefmarken-Netzwerk

Briefmarken sammeln und tauschen
Briefmarken sammeln und tauschen: Sind wir nicht alle Jäger und Sammler? (© Gerd Kropp / fotolia.com)

Die Sondermarken eines Landes kann man einfach – postfrisch oder gestempelt – als Abo beziehen (üblicherweise auch aus dem Ausland) und hat dann den kompletten Jahrgang vollständig zur Hand. Geht es darum, eine schon vorhandene Sammlung auszubauen oder zu vervollständigen, ist man bei Sammlerbörsen, Händlern oder auch auf diversen Internetplattformen gut aufgehoben. So kann man gezielt nach einer bestimmten Briefmarke suchen, oder man stöbert im Fundus eines verkaufswilligen Philatelisten nach verborgenen Schätzen – es muss ja nicht gleich die Blaue Mauritius sein. Auch Tauschen hat sich bewährt: ein amerikanischer Astronaut für drei japanische Katzen? Klingt nach einem guten Deal. Und macht Spaß – ist vielleicht auch für Kinder ein guter Einstieg ins bunte Reich der Philatelie.

Briefmarken sammeln für Fortgeschrittene

Briefmarke aus 1858: Da steckt viel Geschichte drinnen
Briefmarke aus 1858: Da steckt viel Geschichte drinnen (© gemeinfrei)

Erfahrene Philatelisten suchen dann vielleicht eher nach Fehldrucken, Farbvariationen, Plattenfehlern, echt gelaufenen Sendungen, Stempeln, Ganzsachen oder unterschiedlichen Drucktypen mit minimalen Unterschieden („des Kaisers Ohr“), die man wirklich nur mit der Lupe erkennen kann – da steckt eine beeindruckende Menge an Detailwissen dahinter, das man sich nicht einfach so aus dem Internet holen kann.

Dafür kann man sich im World Wide Web mit anderen Briefmarkenfreunden aus aller Welt vernetzen und so Erfahrungen (oder auch Briefmarken) austauschen, sich Tipps holen oder einfach nur Fragen stellen, wenn man nicht weiter weiß. Oder auch einfach nur ein besonderes Stück aus seinem Briefmarkenalbum präsentieren – denn das Schöne am Sammeln ist ja vor allem auch das Herzeigen und Vergleichen, das Teilen einer Leidenschaft mit anderen. Und wenn Sie noch nicht ganz vom Briefmarkensammeln überzeugt sind  – der Artikel meines Kollegen liefert noch einige gute Argumente!

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