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Technik und Wissenschaft
Elektromobilität heute
Michaela 16.6.2017

Elektromobilität – damals und heute

Bereits seit mehr als 100 Jahren sind elektrisch betriebene Fahrzeuge bei der Österreichischen Post im Einsatz. Zeit, sich einmal näher mit dem Thema Elektromobilität zu befassen.

Elektromobilität bei der Österreichischen Post

Die österreichische „Zeitschrift für Post und Telegraphie“ gibt am 20. Juni 1913 bekannt:

Am 15. d. M. wurden 29 Elektromobile – davon 6 Stück als Reserve – im Wiener Postbetrieb in den Dienst gestellt. Sie werden den Beförderungsdienst auf sehr stark belasteten Postkursen besorgen und rund 496.000 km im Jahr zu leisten haben und damit 185.000 zweispännige Fahrten mit Pferdefuhrwerken ersetzen.

Die Anfänge des Elektromobils

Lohner-Porsche Elektromobil
Ein Lohner-Porsche Elektromobil aus dem Technischen Museum in Wien (© gemeinfrei / Wikimedia)

Bereits 1821 veröffentlichte der englische Naturforscher Michael Faraday seine bahnbrechenden Arbeiten über die elektromagnetische Rotation. 1834 setzte der Deutsche Moritz Hermann von Jacobi diese Erkenntnisse in die Praxis um und konstruierte einen Gleichstromelektromotor. Das erste „Elektroauto“, ein elektrisches Dreirad von Gustave Trouvé, wurde 1881 erfunden – fünf Jahre bevor Carl Benz sein „Automobil“ patentieren ließ.

Auch in der Disziplin Geschwindigkeit hatte das Elektroauto die Nase vorn: 1899 überschritt der Belgier Camille Jenatzy mit der „La Jamais Contente“ erstmals die 100 km/h-Grenze. 1898 schließlich stieß Ferdinand Porsche zur „k.u.k. Hofwagenfabrik Jacob Lohner & Co“ und legte einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung der E-Mobilität: Er konstruierte den elektrischen Radnabenmotor und den „Lohner-Porsche Mixte“. Dieses Hybridmodell verfügte zusätzlich zu dem Radnabenantrieb über einen Daimler-Benzinmotor und war das erste Elektroauto mit Reichweitenverlängerung.

Benzin- oder Elektromotor?

Um die Jahrhundertwende waren für Autos gleich drei Antriebsmodelle am Markt: der Benzin-, der Dampf- und der Elektromotor, und es sah um 1900 durchaus so aus, als würde sich letzterer durchsetzen. Die kurze Reichweite, die sich durch die begrenzte Speicherkapazität der Batterien ergab, fiel vorerst nicht ins Gewicht: Landstraßen waren noch nicht gut befestigt und daher nicht autotauglich – für einen längeren Ausflug benutzte man die Bahn.

Historisches Elektromobil
Historisches Elektromobil auf Briefmarke (© Vic / fotolia.com)

In den kommenden Jahren wurden die Straßen jedoch besser ausgebaut, 1912 erfand Charles Kettering den elektrischen Starter, der das Kurbeln beim Benzinmotor ersetzte, und große Erdölfunde ließen Benzin immer erschwinglicher werden. Als Henry Ford die „Tin Lizzy“ in die Massenproduktion schickte, wurde das Elektroauto zusehends von den Straßen verdrängt.

Die ersten E-Flotten

erste elektrische Straßenbahn Berlin
Die erste elektrische Straßenbahn der Welt in Berlin (© gemeinfrei / Wikimedia)

Großen Nutzen brachte das elektrisch angetriebene Auto jedoch weiterhin als Arbeitstier im Nahverkehr. Kein Wunder also, dass die „Kaiserliche Königliche Österreichische Post“ ab 1913 elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den stark frequentierten Strecken zwischen Postamt und Bahnhöfen einsetzte. Dies geschah damals wohl noch nicht wegen des Umweltschutzes, sondern vielmehr aus ökonomischen Gründen: Die Betriebskosten für E-Mobile waren einfach günstiger als für Fahrzeuge mit Antrieb auf Basis fossiler Brennstoffe.

Auch im öffentlichen Verkehr konnte sich der elektrische Motor gut behaupten – durch Oberleitungen wurde das Problem der Stromspeicherung gelöst, Eisenbahnen wurden zusehends elektrifiziert, und 1897 erhielt Wien seine erste Straßenbahn. Schon 1890 befuhr die weltweit erste elektrisch betriebene U-Bahn eine fünf Kilometer lange Strecke in London, der Strom wurde hierfür über eine dritte Schiene bezogen. In Gmünd ging 1907 der erste Oberleitungsbus Österreichs in Betrieb, für den Brief- und Paketdienst der Post war ein eigenes Abteil reserviert.

Die Rückkehr des Elektroautos

In den 1970er-Jahren gab es aufgrund erster Ölkrisen weltweit vermehrt Versuche, das Elektroauto wieder am Markt zu lancieren – jedoch ohne ersichtlichen Erfolg. Erst Ende der 1990er-Jahre versahen einige große Hersteller manche Serienmodelle mit elektrischen Antrieben und läuteten so das Comeback der Elektromobilität ein. Auch die Österreichische Post nutzte diesen innovativen Aufwind und brachte schrittweise wieder elektrifizierte Autos und Zweiräder zum Einsatz. Seit 2011 befördert die Österreichische Post alle Brief- und Paketsendungen CO₂-neutral und bekräftigt so ihre Pionierstellung in klimafreundlicher Mobilität. 2013 wurde auf der 30.000 Quadratmeter großen Dachfläche des Wiener Briefverteilzentrums eine der größten Photovoltaik-Anlagen Österreichs errichtet, die die E-Flotte der Post mit sauberem Solarstrom versorgt.

Elektromobilität auf Briefmarke

Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der E-Mobilität bei der Österreichischen Post gab diese 2013 einen Sondermarkenblock heraus:

100 Jahre Elektromobilität der Österreichischen Post
Markenblock 100 Jahre E-Mobilität (© Österreichische Post)

Auch die Deutsche Post befasst sich intensiv mit dem Umweltschutz: In der Initiative GoGreen setzt man sich große Ziele. „Mission 2050: Null Emissionen“ ist das längerfristige Klimaschutzziel, das durch verschiedene Maßnahmen wie eben unter anderem auch verstärkten Einsatz von E-Fahrzeugen erreicht werden soll.

Elektromobilität auf deutscher Briefmarke
Elektromobilität auf einer deutschen Briefmarke aus 2016 (© Deutsche Post)

Als einer der heutigen Vorreiter in Sachen Elektromobilität gilt das US-amerikanische Unternehmen Tesla, das 2003 gegründet wurde, um Elektroautos für den Individualverkehr zu entwickeln. Benannt wurde es nach Nikola Tesla (1856–1943), ein Physiker aus dem heutigen Kroatien (damals zum österreichischen Kaiserreich gehörend), der als Pionier der Elektrotechnik gilt und natürlich auch mit Briefmarken gewürdigt wurde.

Umweltschutz goes Europe

Im Jahr 2016 gab PostEurop das Thema „Ökologie in Europa – Think Green“ für die alljährlich erscheinende EUROPA-Marke aus, und aus den Einsendern des Design-Wettbewerbs wurde der Entwurf der Designerin Doxia Sergidou für die zypriotische Post zum Sieger gekürt. Europaweit gaben Postgesellschaften daraufhin Briefmarken mit ihrem Motiventwurf zum Thema Umweltschutz heraus. Hier eine kleine Auswahl davon.

 

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