Kunst und Kultur Themen
Die französische Comic-Briefmarkenserie von 1988
Peter 18.7.2017

Die „Neunte Kunst“: Comic Briefmarken aus Frankreich

Unglaublich charmant: Im Jahr 1988 gestalten 12 berühmte Comic-Zeichner aus Frankreich Briefmarken-Motive für eine spezielle Comic Briefmarken-Serie zum Thema „Kommunikation“.

Comic-Land Frankreich: Frankreich und Belgien sind seit den 1950er-Jahren DIE Länder in Europa, in denen die Comic-Kultur einen extrem hohen Stellenwert hat. Während im deutschsprachigen Raum Comics noch immer gerne mit „Schund“ gleichgesetzt werden und als Ausdrucksform zweiter Klasse wahrgenommen werden, setzte in Frankreich die Rehabilitation der Bildgeschichten bereits in den 1960er-Jahren ein.

Die Neunte Kunst

1971 veröffentlichte der Autor Francis Lacassin seinen mittlerweile legendären Aufsatz „Pour un neuvième art: La bande dessinée“. Darin prägte er den Begriff „DIE NEUNTE KUNST“ für Comics. Während sich bei uns diese Auffassung 46 Jahre später erst langsam durchsetzt, nahmen die Franzosen diese Sichtweise schon in den 1970er-Jahren an. Dementsprechend hoch ist die Wertschätzung der Franzosen gegenüber ihren Comic-Autoren und Comic-Zeichnern. Diese haben in ihrem Land den Status von Stars und genießen starke öffentliche Wahrnehmung so wie bei uns literarische Bestseller-Autoren.

Die Neunte Kunst: Comics
Die „Neun Künste“

Comic Briefmarken aus Frankreich

Daher verwundert es auch nicht, dass die Französische Post 1988 eine Briefmarkenserie zur „Neunten Kunst“ veröffentlichte, die Motive von 12 der damals beliebtesten französischen Comic-Zeichner zeigte. Die Motive der Comic Briefmarken behandeln alle das Thema „Kommunikation“, dementsprechend hat die Serie auch den Titel „LA COMMUNCATION“.

Auch wenn man den Briefmarken-Motiven die Zeit ihrer Entstehung – Stichwort: die 1980er-Jahre – ansieht, so gehört diese Serie doch bis heute zu den charmantesten Ausgaben, die die Französische Post veröffentlicht hat. Die Briefmarken-Serie ist sozusagen ein „Who is who“ der französischen Comic-Szene der 1980er-Jahre. Aber wer sind nun die Zeichner, deren Motive die Briefmarken schmücken?

Die zwölf Comic-Zeichner

I. Jean-Marc Reiser (1941-1983) war das Enfant Terrible der französischen Comic-Szene, der mit seinen Karikaturen gerne den guten Geschmack und die „Political Correctness“ verletzte. Da Reiser zum Zeitpunkt der Briefmarken-Veröffentlichung bereits fünf Jahre tot war, griff man auf ein vorhandenes Motiv zurück.

II. Jaques Tardi (geboren 1946) ist einer der ganz großen Comic-Zeichner Frankreichs. Er behandelt die beiden Weltkriege immer wieder in seinen Werken und wird daher auch gerne als „Gewissen seiner Nation“ betrachtet. Seinen Durchbruch feierte er Mitte der 1970er-Jahre mit „Adeles ungewöhnliche Abenteuer“. Und jene Adele ziert auch sein Markenmotiv.

III. Jean-Claude Mézières (geboren 1938) wurde vor allem durch seinen fantasievollen Zeichenstil bei der Comic Serie Valerian (dt.: Valerian und Veronique) berühmt.

IV. Paul Gillon (1926-2011) wurde durch zwei Science-Fiction-Geschichten in Frankreich berühmt: „Die Schifbrüchigen der Zeit“ (1974-1989) und „Die Überlebende“ (1984-1991).

Die Comic Briefmarken von Reiser, Tardi, Mezieres und Gillon
Die Briefmarken von Reiser, Tardi, Mezieres und Gillon

V. Jean Giraud alias Moebius (1938-2012) ist quasi der Säulenheilige der französischen Comiczeichner und einer der einflussreichsten Comiczeichner aller Zeiten. Er führte ein künstlerisches Doppelleben. Als Jean Giraud zeichnete er die langlebigste berühmteste Western-Serie: „Blueberry“ (1963-2007). Als Moebius zeichnete er surrealistische Science-Fiction-Comics, die auf klassische Erzählstrukturen verzichteten.

VI. Enki Bilal (geboren 1951) stammt aus Serbien und erlangte mit seiner „Nikopol-Triologie“ (Science-Fiction-Serie, 1980-1992) Ruhm und Ehre.

VII. Jaques Dumas alias Marijac (1908-1995) war zwischen den 1940er- und 1970er-Jahren ein erfolgreicher Zeichner und Verleger.

VIII. Jean-Claude Forest (1930-1998) wurde vor allem mit seiner Comicfigur „Barbarella“ berühmt. Die trashig-erotischen Abenteuer seiner Weltraumheldin waren in den 1960er-Jahren bahnbrechend und wurden auch erfolgreich mit Jane Fonda verfilmt. Mit Paul Gillon gemeinsam schuf er die Science-Fiction-Serie „Die Schiffbrüchigen der Zeit“.

Die Comic Briefmarken von Moebius, Bilal, Marijac und Forest
Die Briefmarken von Moebius, Bilal, Marijac und Forest

IX. Jaques Lob (1932-1990) war ein französischer Comic-Autor und-Zeichner. Sein Comic „Schneekreuzer“ aus dem Jahr 1982 wurde 2013 unter dem Titel „Snowpiercer“ mit Tilda Swinton verfilmt.

X. Fred (Frédéric Othon Théodore Aristidès, 1931-2013) wurde vor allem mit seiner Fantasy-Serie „Philémon“ (1965-1987) in Frankreich bekannt.

XI. Claire Bretécher (geboren 1940) ist eine Zeichnerin und Autorin, die mit ihren Comics herrlich bösartige Kommentare zu den Schwierigkeiten des Alltagsleben abgibt. Ihr Stil war wegweisend für eine Generation neuer Comic-Zeichner (z.B. Ralf König in Deutschland).

XII. René Pellos (1900-1998) war einer der ersten erfolgreichen Comic-Zeichner Frankreichs, seinen Durchbruch schaffte er bereits in der Zwischenkriegszeit.

Comic Briefmarken Lob Fred Bretecher Pellos
Comic Briefmarken Lob Fred Bretécher Pellos

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