Kunst und Kultur
Kultband aus Georgia, USA: Die B 52s (© Godov Sander)
Peter 19.1.2017

Ein Kultsong: The B-52’s Private Idaho

Da hat sich also meine Kollegin Marlene in ihrem Blogbeitrag „Von Postkarten und Briefmarken“ auf eine Fantasiereise in den US-amerikanischen Bundesstaat Idaho begeben. Ich gestehe, ich hätte gar nicht genau sagen können, wo Idaho liegt, außer im Norden der USA. Jetzt weiß ich es aber. Wenn ich Idaho höre, fällt mir immer ein Songtitel der Band B-52’s ein, nämlich „Private Idaho“. Ich liebe diesen Song. Und ich liebe die B-52’s.

Begonnen hat alles im Jahr 1976 in der verschlafenen College-Stadt Athens in Georgia. Dort beschlossen fünf Studenten nach einer durchzechten Nacht in einem China-Restaurant eine Band zu gründen, obwohl sie vom Musikmachen allesamt nur wenig Ahnung hatten. Nach ersten Auftritten als Partyband erhielten sie einen Plattenvertrag und veröffentlichten 1979 ihr erstes Album mit dem schlichten Titel „The B-52’s“. Der Zeitgeist war günstig für ihre Ambitionen, denn es war die Zeit des Postpunk (damals sagte man noch „New Wave“ dazu ;-). Das Credo des Postpunk: Handwerkliches Können und Virtuosität sind nicht wichtig, geh da raus und mach mit Leidenschaft DEIN Ding.

The B-52’s Ein Party-Album zum Niederknien –

nein, besser: zum Tanzen

Das legendäre Cover der ersten LP der B-52's (© PD)
Das legendäre Cover der ersten LP der B-52’s (© PD)

Die Platte der B-52’s war grandios. Treibende Rhythmen, prägnante Gitarrenriffs verbunden mit Kinderorgelsounds und dazu die drei Gesangstimmen: der nasale, nölende Sprechgesang von Fred Schneider und die eigenwilligen, manchmal schrillen weiblichen Vocals von Cindy Wilson und Kate Pierson, allesamt keine klassischen schönen Gesangstimmen. Die drei sangen vom Planeten Claire mit seiner rosa Atmosphäre und vom Rock Lobster, der bei einer Strandparty auftaucht. Das ganze war begeisternd originell, kindisch und genial, retro und futuristisch, Dada und Gaga, witzig und klug, ein wenig sperrig, vor allem aber extrem eingängig und unglaublich tanzbar! Die B-52’s wussten natürlich auch über eine Grundregel des Pop Bescheid: Es geht NIE nur um die Musik, sondern auch immer um den optischen Auftritt. Ihr Outfit mit den schrillen Kleidern und vor allem den überdimensionierten Perücken war ein Hingucker, und das Cover ihrer Platte kann man mit Fug und Recht als ikonisch bezeichnen. Das Ganze war natürlich zu schräg für den Mainstream (Ausnahme: In Kanada schaffte es die Single „Rock Lobster“ bis an die Spitze der Hitparade!), doch abseits des Mainstreams – bei den alternativen Musikfans und den Freunden wilder Partys – wurde die Platte heiß geliebt. Im Jahr darauf folgte bereits der Nachfolger.

Private Idaho

Wild Planet, 1980 erschienen (© PD)
Wild Planet, 1980 erschienen (© PD)

Als im Jahr 1980 „Wild Planet“ erschien, war klar: Die B-52’s sind keine Eintagsfliege. Das Album war wieder prall gefüllt mit neun schrägen mitreißenden Partyhits, darunter das programmatische „Party Out Of Bounds“ und die Singleauskopplung „Private Idaho“. Songschreiber Fred Schneider erklärte, dass es in dem Lied um Ängste und Paranoia geht: Voller Ängste lebt man in einem eigenen „State of Mind“. Dass er den Bundesstaat Idaho als Symbol dafür nahm, begründete Schneider damit, dass Idaho bei den meisten Amerikanern ein exzentrisches, mysteriöses Image habe und dort viele „Right wingers“ leben. Das Lied sei aber keinesfalls als Parodie auf den Bundesstaat zu sehen. Selten wurde in der Popgeschichte Paranoia in einem derartig poppigen Tanzsong verbreitet. Das Lied inspirierte übrigens den Regisseur Gus Van Sant zu seinem berühmten Roadmovie „My Own Private Idaho“, er bedankte sich bei der Band auch in den Credits.

Downs and Ups in den 1980ern

Cindy Wilson (© Left)
Cindy Wilson (© Left)

Die B-52’s veröffentlichten noch zwei Alben und ein Remix-Album ehe sie 1985 ein schwerer Schicksalsschlag traf. Gründungsmitglied und Gitarrist Ricky Wilson – der Bruder von Sängerin Cindy Wison – starb in diesem Jahr an den Folgen von AIDS. Die Gruppe veröffentlichte die noch mit Ricky Wilson aufgenommene Platte „Bouncing Off The Satelites“ und legte danach eine Pause ein. 1989 starteten sie mit „Cosmic Thing“ allerdings ein fulminantes Comeback. Bisher hatte die Gruppe eine eingeschworene Fangemeinde und galt als Kultband, doch nun war der Mainstrem bereit für die B-52’s: Mit den Singles „Love Shack“ und „Roam“ erreichten sie oberste Chartplätze, und „Cosmic Thing“ verkaufte sich millionenfach. Danach folgten nur mehr zwei weitere Alben („Good Stuff“ 1992 und „Funplex“ 2008), ein Auftritt im „Flintstones“-Film 1994 und gelegentliche Live Auftritte. Dass die B-52s (mittlerweile ohne Apostroph) es noch immer können, bewiesen sie 2011 bei einem Auftritt in Athens, der auch auf DVD („With The Wild Crowd“) erhältlich ist und der den Zuschauer beinahe zum Tanzen zwingt.

Das Erbe der Perückenträger

Die B 52s im Jahr 2012 (© B 52s)
Die B 52s im Jahr 2012 (© B 52s)

Was bleibt von „The World´s Greatest Party Band“, wie die Fans sie gerne nennen? Sie brachten Farbe, Ironie, Spaß und Tanzbarkeit in die eher düstere Welt der Postpunk-Musik. Und sie vermachen der Welt einen Kanon von zwei Hand voll mitreißenden Popnummern, die noch immer so frisch und unverbraucht klingen wie am ersten Tag. Es gibt nicht viele Bands, die so zeitlos sind wie die B-52’s.

Und was hat das Ganze mit Briefmarken zu tun? Der Name der Band bezieht sich auf die bereits oben erwähnten ausladenden Perücken der beiden Sängerinnen, die einen parodistischen Kommentar auf die sogenannten Beehive-Frisuren (Bienenkorbfrisuren) Anfang der 1960er-Jahre darstellen.

Beehives und die Boeing B-52

B 52 Bomber auf Briefmarke, 1957 (© PD)
B 52 Bomber auf Briefmarke, 1957 (© PD)

Die Frisuren wurden in Anlehnung an die runde Schnauze des Boeing B-52-Bombers auch B-52´s-Frisuren genannt.Und dieses Flugzeug zierte 1957 auch eine Briefmarke der US-Amerikanischen Post. Viel spannender ist jedoch ein anderer Bezug zu Briefmarken.

Die Ikone mit der Beehive-Frisur – Audrey Hepburn (© doctormacro)
Die Ikone mit der Beehive-Frisur – Audrey Hepburn (© doctormacro)

Neben Jackie Kennedy machte vor allem die Schauspielerin Audrey Hepburn in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ aus dem Jahr 1961 die Beehive oder B-52 Frisur populär. Und ein Szenenbild aus diesem Bild ziert eine der teuersten Briefmarken der Welt: die Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn. Warum ausgerechnet diese Marke aus dem Jahr 2001 die wertvollste moderne Briefmarke weltweit wurde, hängt allerdings nicht mit den B-52’s zusammen, sondern ist eine ganz andere Geschichte …

Unveröffentlichte Audrey Hepburn Marke (© PD)
Unveröffentlichte Audrey Hepburn Marke (© PD)

 

Jetzt Teilen

Das könnte Sie auch interessieren …

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name *