Popkultur Themen
Unzerstörbar faszinierend: Star Trek (© Everett Collection / picturedesk.com)
Peter 19.6.2017

Sieben Gründe warum STAR TREK noch immer so faszinierend ist!

Unglaubliche 50 Jahre ist es mittlerweile her, dass die erste Folge der Fernsehserie STAR TREK auf dem Sender NBC über die amerikanischen Bildschirme flimmerte (die deutsche Erstausstrahlung unter dem Titel Raumschiff Enterprise erfolgte im Mai 1972 im ZDF). Zu diesem Anlass verausgabten die Postgesellschaften von USA und Kanada nun Briefmarken.

Auf einem eher ungünstigen Sendeplatz positioniert, sprach die bahnbrechende Serie damals nur Science Fiction-Fans an, sie war zwar kein Flop, aber nur mäßig erfolgreich. Nach drei Staffeln und 79 Episoden wurde STAR TREK abgesetzt. Doch was nun folgte, stellt ein einzigartiges Phänomen in der Fernsehgeschichte dar. NBC verkaufte die Serie ab 1969 an lokale und private Fernsehsender. Nach der Mondlandung war das Interesse an Science Fiction-Stoffen offensichtlich stark gestiegen. Dieses Interesse und gute Sendeplätze bei den zweitverwertenden Sendern sorgten für eine stetig steigende Fangemeinde Anfang der 1970er-Jahre. Auch international konnte die Serie punkten, und so war STAR TREK Mitte der 70er-Jahre zu einem popkulturellen Phänomen geworden. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Es folgten Kinofilme, Fernseh-Spin Offs, und heute ist STAR TREK populärer denn je.

Der Ausgangspunkt bleibt aber STAR TREK – The Original Series (kurz: TOS). Seien wir einmal ganz ehrlich: Den Löwenanteil der Fernsehserien der 60er-, 70er- und 80er-Jahre kann man sich heute nur mehr mit einem Augenzwinkern unter dem charmanten Deckmantel der Nostalgie ansehen. Ganz anders hingegen STAR TREK TOS: Abgesehen von den aus heutiger Sicht billigen und etwas lächerlich wirkenden „Spezialeffekten“ entwickelt die Serie auch jetzt noch einen magischen Sog, sie „funktioniert“ ganz einfach. Auch bei jungen Leuten (habe ich selbst mit meinen 11 und 15 Jahre alten Kindern getestet). Aber warum ist das so?

Hier sieben persönliche Annahmen/Gründe, warum STAR TREK TOS heute noch immer faszinierend ist:

Herkunft und Rasse spielen auf dem Raumschiff Enterprise keine Rolle (© Everett Collection / picturedesk.com)
Herkunft und Rasse spielen auf dem Raumschiff Enterprise keine Rolle (© Everett Collection / picturedesk.com)

1. Eine humanistische Utopie

Serienschöpfer Gene Roddenberry – ein Säulenheiliger der Fernsehgeschichte – dürfte ein unverbesserlicher Optimist gewesen sein: Er entwarf für das 23. Jahrhundert eine humanistische Utopie, in der die Vernunft Oberhand über Ideologien, Nationalismus, Rassismus und Religion gewonnen hat. Er zeichnet eine freie, demokratische, friedliche menschliche Zivilisation. Die liberale und zutiefst humanistische Philosophie der Weltregierung (Föderation) lässt sich von der Direktive Nr. 1 ablesen: „Kein Raumschiff darf sich in die natürliche Entwicklung von außerirdischem Leben oder Gesellschaften einmischen.“ STAR TREK TOS gibt uns (unverbesserlichen Optimisten) auch heute noch Hoffnung, dass die Vernunft und der Gedanke „leben und leben lassen“ eines Tages doch noch die Oberhand gewinnen werden. Das macht die Serie gerade heute noch immer so attraktiv.

Tabubruch im Amerika der Sechzigerjahre: Ein weiblicher Offizier aus Afrika: LT. Uhura (© Paramount Television / Mary Evans / picturedesk.com)
Tabubruch im Amerika der Sechzigerjahre: Ein weiblicher Offizier aus Afrika: LT. Uhura (© Paramount Television / Mary Evans / picturedesk.com)

2. STAR TREK lotet Grenzen aus

„Space, the final frontier …“ heißt es so schön im Intro zu STAR TREK. Und Gene Roddenberry liebte es in seiner Serie, Grenzen zu überschreiten und Tabus zu brechen. Seine Vision einer offenen friedlichen Gesellschaft musste er gar nicht groß mit Worten beschreiben. Symbolisches Sinnbild dafür ist die Kommandobrücke der U.S.S Enterprise: Unter den Offizieren befinden sich neben einem Japaner (Erzfeind der USA im Zweiten Weltkrieg), ein Russe (damals aktueller Erzfeind der USA), ein Außerirdischer und – um dem Ganzen die Krone aufzusetzen – eine Frau, noch dazu mit dunkler Hautfarbe. Eine afrikanische Frau als Offizier eines Raumschiffs! Das war 1966 ein Tabubruch. Nebenbei erwähnt fand der erste gemischtrassige Kuss der amerikanischen Fernsehgeschichte 1968 natürlich in STAR TREK statt. Aber auch in den Storylines überschritt das STAR TREK-Team Grenzen und erzählte absolut ungewöhnliche Geschichten.

3. Handlungsspielraum

Ja, es gibt sie auch bei STAR TREK hie und da, die grünen außerirdischen Ungeheuer. Doch meistens sprengen die Geschichten den Rahmen des bisher Gesehenen. Die Crew der Enterprise bekommt es mit allerlei ungewöhnlichen und höchst fantasievollen Aliens zu tun oder mit schwarzen Löchern, durchgeknallten Computern, putzigen Pelztierchen und sehr oft mit der eigenen Spezies: Der Mensch ist des Menschen größter Feind. Dabei versuchen die Crewmitglieder immer, friedliche Lösungen herbeizuführen und nur im äußersten Notfall Gewalt anzuwenden.

Der Traum vom Beamen (© Everett Collection / picturedesk.com)
Der Traum vom Beamen (© Everett Collection / picturedesk.com)

4. Technische Wunschträume

Bei den meisten Science Fiction-Filme und -Serien wirkt die dort präsentierte „Zukunftstechnik“ ein paar Jahre nach ihrer Produktion bereits altmodisch und überholt wirkt. STAR TREK hingegen arbeitete mit derartig kühnen technischen Visionen, dass wir auch heute noch von der realen Umsetzung dieser Visionen entfernt sind. Zum Beispiel der allwissende Diagnosescanner von Dr. McCoy oder der der WARP-Antrieb, und natürlich das „Beamen“, das weltweit Eingang in den Sprachschatz der Popkultur fand. Allesamt Visionen, die – wie bei STAR TREK sehr oft – einen wissenschaftlichen Background haben, möglich erscheinen, noch unerreicht sind, uns aber davon träumen lassen.

Raumschiff Enterprise auf dem Weg zu neuen Galaxien, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat ...
Raumschiff Enterprise auf dem Weg zu neuen Galaxien, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat …

5. Sensationelles Design

Faszinierend: STAR TREK gebührt auf jeden Fall der Ehrenoscar oder Ehren-Was-auch-immer für das gesamte bahnbrechende Produktionsdesign. Noch nie hatte man ein Raumschiff in einer derart außergewöhnlichen Form gesehen. Oder die zeitlos schönen Uniformen der Crewmitglieder. Oder die Wohn- und Besprechungsräume. Oder das 3-D-Schach. Oder, oder, oder … Bis heute fasziniert das zeitlos schöne Design dieser Serie.

6. Faszinierende Figuren

Neben all dem Science-Fiction Brimborium, neben all der Utopie und neben den liebenswerten Crew-Mitgliedern der Enterprise sind es vor allem die drei Hauptfiguren und deren Darsteller, die uns bei der Serie hielten und noch heute halten: Captain Kirk, Doctor McCoy (Spitzname: Pille) und Spock. Dieses Dreigestirn hat es in sich: Der Schiffsdoktor ist ein empathischer, gefühlsbetonter und manchmal aufbrausender Mensch, der den Gegenpol zum gefühlskalten und von Logik geprägten Spock bildet. Als Verbindungsglied zwischen den Protagonisten steht Kirk, der mit beiden befreundet ist und die Eigenschaften von beiden in sich vereint. Die drei Protagonisten spiegeln auf diese Art und Weise die Grundphilosophie der Serie wider: Gefühl und  Vernunft im Einklang sind die Voraussetzung für intelligentes Handeln. Wikipedia-Artikel: Figuren im Strar-Trek-Universum.

Commander Spock - Unser Lieblings-Außerirdischer (© Everett Collection / picturedesk.com)
Commander Spock – Unser Lieblings-Außerirdischer (© Everett Collection / picturedesk.com)

7. Spock

Ein „halber Außerirdischer“ – Vater vom Planeten Vulkan, Mutter von der Erde – eroberte die Herzen der Fans. Nach außen hin von purer Logik geprägt, merkten wir Zuschauer natürlich immer, dass in Spocks Innerem jede Menge irdische Gefühle lodern. So einen muss man ganz einfach mögen. Um mit unserem Serienliebling zu sprechen: „Live long and prosper…“

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