Kunst und Kultur Themen
Dirndl und Lederhose: Kunst und Tradition
Michaela 9.10.2017

Fesches Dirndl auf Briefmarke

Briefmarke aus der ersten Trachtenserie in den 1930ern
Briefmarke aus der ersten Trachtenserie in den 1930ern (© Österreichische Post)

Trachten wie das Dirndl haben im Alpenland Österreich Tradition, und zwar nicht nur als Bekleidungsstück, sondern auch als Briefmarkenmotiv. Die erste Briefmarkenserie zu diesem Thema, nämlich „Österreichische Volkstrachten“, erschien bereits 1934, war allerdings nur bis 1938 gültig. Dabei wird jeweils eine (oder mehrere) Person(en) in volkstümlicher Bekleidung vor einem für die Region typischen Bauwerk oder einer typischen Landschaft gezeigt. Hier z. B. die niederösterreichische Tracht und im Hintergrund die Rosenburg.

Das Dirndl als Briefmarkenmotiv

Dirndl aus dem Zillertal auf Briefmarke
Die Tracht aus dem Zillertal auf Briefmarke (© Österreichische Post)

Nach dem Krieg folgte dann die Serie „Volkstrachten“, deren Sujets Frauen in der typischen Landestracht und mit den dazugehörenden Kopfbedeckungen zeigen. Diese Serie wurde bis 1952 gedruckt, einige Werte dann ab 1958 nochmals nachproduziert. Jede Trachtenmarke ist in einer eigenen Farbe gestaltet – die allerdings nichts über die tatsächliche Farbe des Dirndls aussagt.

Diese Markenserie war sehr lange im Umlauf, viele werden sich vielleicht noch selbst an Poststücke aus ihrer Kindheit mit diesen Marken erinnern können. Auch bei Sammlern sind die alten Trachtenmarken beliebt, gibt es doch davon zahlreiche Farbvariationen und andere Besonderheiten für begeisterte Philatelistinnen und Philatelisten.

Man trägt wieder Tracht

Man könnte jetzt natürlich behaupten, dass das alles alte Hüte sind – wer trägt denn heute noch Tracht? Aber sehen Sie sich mal im Herbst um, wenn nicht nur in München, sondern auch andernorts Oktoberfeste, Bierzelte und „Wiesnfeste“ aus dem Boden schießen. Da findet sich auch immer eine mehr oder weniger geschmackvolle Ansammlung von Dirndln und Lederhosen.

Und in den ländlichen, zumeist alpinen Tourismusregionen trägt man nach wie vor auch im Alltag Tracht. Entweder, weil die Gäste aus dem In- und Ausland es erwarten oder weil es eben Tradition ist. Natürlich spiegeln Dirndl, Lederhose und Janker auch eine gewisse Heimatverbundenheit wider, zudem spielt auch die optische Attraktivität eine Rolle. Fesch sind sie oft, die Trägerinnen und Träger der Tracht, besonders in ihrer Tracht.

Das vielseitige Dirndl

Dirndl im Dirndl
Ein Dirndl im Dirndl, aber ohne Dirndln (© oksanatrautwein / fotolia.com)

Hier ein kurzer Einschub zum Verständnis: Als Dirndl bezeichnet man in Österreich (und wohl auch in Bayern) einerseits das Trachtenkleidungsstück mit dem eng geschnittenen, oft geschnürten Leibchen und dem weiten Rock, über dem man eine passende Schürze trägt, andererseits ist damit manchmal auch ein Mädchen oder eine junge Frau gemeint. Und der Vollständigkeit halber: Ein Dirndl kann auch eine Frucht sein. Die roten länglichen Früchte haben einen großen Kern und werden für Marmelade, Likör oder Schnaps verwendet. Bekannt sind sie auch unter dem Namen Kornelkirschen.

Tradition trifft Moderne

Heutige Trachengewänder haben oft nicht mehr viel mit den traditionellen Kleidern zu tun. Vom superkurzen Partydirndl mit durchsichtiger schwarzer Bluse bis zum gold schillernden Trachtenkleid für die Salzburger Festspiele gibt es da wohl ein recht großes Spektrum. Das war zwar vermutlich nicht die Intention der Bewegung der Trachtenerneuerung, die bald nach 1945 begann, aber geht wohl damit einher. Bei der Trachtenerneuerung – in Zusammenarbeit mit Heimatwerk, Trachtenverbänden und Landesmuseen – geht es vielmehr darum, der Tracht ihr altbackenes Image zu nehmen und sie auch sanft an unsere heutigen Ansprüche anzupassen. Und so genau nimmt man es mit den Vorschriften für die „echte“ Trachtenkleidung gegenwärtig ohnehin nicht mehr. Fest steht: Tracht und Mode schließen einander nicht aus. Und über guten Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Regionale Dirndl-Variationen

Viele Regionen, ja sogar Ortschaften haben heute ihre typischen Dirndln und oftmals auch Männertrachten für den Alltag. Dazu vielleicht noch ein Sommerdirndl und ein Festtagsdirndl für Hochzeiten und andere große Anlässe. Seit 2013 gibt die Österreichische Post eine neue Serie von Sondermarken heraus, die sich den österreichischen Alltagstrachten im Sinne der „Klassischen Trachten“ widmet – ein weiterer Beweis dafür, dass das Dirndl mehr denn je en vogue ist. Hier einige Beispiele aus der Serie, z. B. die berühmte Ausseer Tracht ganz traditionell mit grünem Leibchen, rosa Rock und lila Schürze:

Grinzinger Tracht
Die Weinhauertracht aus Grinzing (© Österreichische Post)

Ganz aktuell ist z. B. die Sondermarke „Grinzinger Tracht“, die dem Alltagsdirndl des berühmten Wiener Heurigenorts gewidmet ist. Bei einer Großstadt wie Wien denkt man ja nicht unbedingt gleich an ein traditionelles Dirndl, aber viele Randbezirke Wiens waren früher eigenständige Dörfer, die auch von der Landwirtschaft geprägt waren, und da vor allem vom Weinbau.

Auch das Grinzinger Dirndl wird daher gerne als Weinhauertracht bezeichnet. Das Besonderen an ihm ist das schräg geknöpfte Leibchen, das einen eckigen Ausschnitt ergibt, und der karierte Stoff, aus dem das Dirndl genäht wird. Früher nahm man oft Reste der Bettwäsche dafür – praktisch und trotzdem schick.

Wie trägt das „Dirndl“ ein Dirndl?

Dirndl Schleife
Die Schleife sagt’s: Die Kleiderpuppe mit dem Dirndl ist wohl noch nicht vergeben (© Jeanette Dietl / fotolia.com)

Zu einem echten Dirndl gehört natürlich auch eine Dirndlschürze – darüber, wo man die Schleife richtig bindet, um keine falschen Signale zu senden, informiert man sich besser, bevor man sich in eine missverständliche Lage bringt. Auch Trachtenschuhe, -jäckchen, -tasche, vielleicht auch eine Kopfbedeckung oder ein Schultertuch oder sonstige Accessoires gehören natürlich zum stilvollen Auftritt.

Und unter dem Dirndlkleid trägt das Dirndl natürlich (unter anderem) eine Dirndlbluse. Meist weiß, mit einem schönen Ausschnitt, sodass das Dekolleté gut zur Geltung kommt. An den Rändern sind die zarten Blüschen gerne mit Spitzen und Stickereien verziert, auch auf dem Dirndlkleid selbst findet man sie manchmal.

Der Faden macht’s: Stickerei und Dirndl

Stickerei und Trachtenmode haben also vieles gemeinsam – beide stehen für Tradition, Kultur und Handwerkskunst (denn ein gut sitzendes Dirndl plus allem Zubehör anzufertigen ist auch eine Kunst!). Auch die Stickkunst hat in Österreich große Tradition – das Familienunternehmen Hämmerle & Vogel in Vorarlberg ist seit 100 Jahren für seine hochwertigen Stickereiprodukte bekannt. Und die Österreichische Post ist ja bekannt für ihre innovativen Briefmarken aus außergewöhnlichen Materialien – damit sind wir auch schon bei den österreichischen Stickereibriefmarken: Die erste Stickereibriefmarke der Welt stammt aus Österreich aus dem Jahr 2005 und zeigt – landestypisch – ein Edelweiß. Es folgten ein gestickter Enzian (2008) und eine Marke mit Petit-Point-Stickerei (2010).

Dirndl Stickerei Briefmarke
Das Dirndl in Silhouettenstickerei (© Österreichische Post)

Und hier kommen wir wieder zu unserem Dirndl: 2016 gab die Österreichische Post eine gestickte Dirndl-Briefmarke aus – die erste Briefmarke in Silhouettenstickerei! Durch diese Sticktechnik und die unterschiedlichen Sticharten wirkt das Dirndl plastisch und zugleich filigran. Die Schürze hat sogar Falten, und die Schleife der Schürze ist ebenso gestickt wie der Nominalwert und das Land. Alle diese Stickereimarken wurden von Hämmerle & Vogel gefertigt, allein für die Dirndl-Marken wurden insgesamt 5,6 Millionen Meter Faden verarbeitet – jedes Dirndl besteht aus rund 40 Meter Faden in drei Farben. Man beachte auch die zarten Spitzen an der Bluse und am Rock, die Fransen am Saum und die kreative Integration des Schriftzugs Austria in das Kleid – eben ein richtiges kleines Kunstwerk in Rot-Weiß-Rot (und Grün).

Da soll noch einer sagen, dass Trachten und moderste Technologien nicht zusammenpassen! Trotz aller modernen Designs und innovativen Produktionsmethoden hat das Dirndl aber nichts von seinem ursprünglichen Charme verloren.

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