Flora und Fauna Themen
Eiche mit Holzbriefmarke (© skrotov - shutterstock.com)
Michaela 28.7.2017

Natürlich: die Briefmarke aus Holz

Sicher: Irgendwie besteht ja eigentlich (fast) jede Briefmarke aus Holz, denn Papier wird ja bekanntlich in einem aufwendigen Prozess auch aus Holz gemacht. Aber diese Briefmarke der Österreichischen Post namens „Eiche“ ist dennoch etwas Besonderes, denn sie ist nicht nur aus echtem Holzfurnier hergestellt, sondern sie hat auch die Form eines Baums.

Aus gutem Holz geschnitzt

Mächtige solide Eiche
Solide und stark: die Eiche (© Max Sudakov – shutterstock.com)

Und zwar sieht die Briefmarke aus Holz aus wie eine Eiche, denn für die Herstellung dieses Markenblocks wurde eigens eine Eiche aus einem österreichischen Wald geschlägert – alle Briefmarken stammen vom selben Baum. Die Eiche ist ja in Österreich und überhaupt in Europa recht weit verbreitet. Außerdem ist sie immer noch an vorderster Front der beliebtesten Holzarten zu finden – für Möbel, Fußböden und vieles mehr. Auch als Bauholz wird die Eiche für stark beanspruchte Konstruktionen eingesetzt. Traditionelle Fachwerkhäuser wurden früher ebenfalls mit Eichenholz gebaut. Und natürlich wurde die Eiche auch im Schiffsbau vielfältig eingesetzt, und besonders in Kriegszeiten gab es da ja genug Bedarf.

Eichelhäher Briefmarke Polen
Eichelhäher sammeln und verbreiten Eichen (© EtiAmmos – shutterstock.com)

Und wie sein Name schon sagt, schätzt auch der Eichelhäher die Eiche sehr, vor allem ihre Früchte, die er im Herbst gerne als Wintervorrat sammelt.Die Eicheln werden vergraben oder in Löchern versteckt – und so sorgen die eifrigen Vögel auch für eine Verbreitung der Samen, denn was sie nicht fressen, kann im nächsten Frühjahr wieder auskeimen und zu einem neuen Baum heranwachsen.

Feine Tropfen in Holz

Nicht zu vergessen natürlich: Auch hochwertige Weinfässer (Barrique) werden aus Eichenholz gefertigt und zum Ausbau vor allem von Rotweinen verwendet. Die feinen Aromen wie Vanille, Zimt, Nüsse, Toast und Rauch kommen durch das Rösten des Holzes bei der Herstellung des Fasses zustande, die Tannine (Gerbstoffe), die das Holz abgibt, sorgen für den typischen Barrique-Geschmack. Das Wort barrique bedeutet im Französischen einfach „Fass“. Übrigens stammen auch die klassischen Korken für Weine von Eichen, und zwar von der Rinde der Korkeiche. Eiche total sozusagen, zumindest bei den teuren Rotweinen – bei den meisten anderen wird ja heute ohnehin ein Kunststoffkorken oder ein Drehverschluss verwendet.

Whisky Fass
Das Eichenfass macht den Whisky (© shaiit – fotolia.com)

Auch Whisky (oder Whiskey – je nach Herkunft) wird in Eichenfässern gelagert und erwirbt so nach jahrelanger Reifung seinen ganz speziellen Geschmack. Oft verwendet man dafür auch Fässer, in denen zuvor schon andere alkoholische Getränke gelagert wurden, und erzeugt so wieder eine andere Geschmacksnote. Heute wird das goldgelbe Traditionsgetränk vermehrt auch in deutschsprachigen Ländern gebrannt.

Eiche mit Tradition

Die Eiche war übrigens 2016 auch der Baum des Jahres in Österreich, 2014 war die Traubeneiche Baum des Jahres in Deutschland, wo das Eichenlaub auch die Rückseite der kleinen Cent-Münzen ziert. Die Eichel, also die Frucht der Eiche, ist auch eine der Farben des Deutschen Blatts beim Kartenspiel – neben Laub, Herz und Schellen.

Eicheln Eichenblatt
Eichenblätter und Eicheln (© Dionisvera – shutterstock.com)

Außerdem gilt die Eiche seit jeher als Symbol für Treue, Beständigkeit und Stärke. Die Eiche war der Baum des Göttervaters Zeus in der griechischen bzw. Jupiter in der römischen Antike. In der nordischen Mythologie ist die Eiche Thor, dem Kriegs- und Donnergott, zugeordnet, in heiligen Eichenhainen wurden die Götter verehrt, und siegreiche Kämpfer wurden mit Eichenkränzen geehrt. In Deutschland gilt sie als Symbol der Freiheitsliebe und des Nationalstolzes. Auch militärische Orden und Rangabzeichen sind häufig mit Eichenlaub verziert. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde die Eiche geradezu zum Hoheitszeichen des Deutschen Reichs, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Die Grabeiche in Nöbdenitz
Die Grabeiche in Nöbdenitz (© animaflora – fotolia.com)

Eichen können über tausend Jahre alt werden – so ein Baum erlebt schon so einiges in seiner Lebenszeit! Es gibt eine ganze Reihe von uralten, knorrigen Eichen, zu denen es jeweils spannende Geschichten zu erzählen gibt. Nur ein Beispiel dafür ist die angeblich tausendjährige Grabeiche im thüringischen Nöbdenitz. Im Inneren ihres hohlen Stammes befindet sich seit 1824 das Grab eines Gutsbesitzers. In vielen Dörfern gab es Gerichtseichen, unter denen der Friedensrichter (mehr oder weniger) Recht sprach. Und viele Orte streiten sich um den Anspruch, die „älteste Eiche der Welt“ zu beherbergen.

Die österreichische Eiche

Als „steirische Eiche“ wird manchmal Arnold Schwarzenegger bezeichnet – Stärke und Standhaftigkeit zeichnen ihn ja zweifellos aus. Die Briefmarke „Eiche“, also ihr Holz, stammt jedoch nicht aus der Steiermark, sondern aus den Revieren der Österreichischen Bundesforste im Gebiet des Wienerwalds südlich von Wien.

Österreichische Briefmarke aus Holz: Eiche
Die österreichische Briefmarke aus Holz: die Eiche (© Österreichische Post)

Die Eichenmarke aus Österreich ist nicht die erste Holzbriefmarke der Welt, aber die erste, die auch wie ein Baum geformt ist. Lasercut, Laserbranding und Siebdruck sorgen für die besondere Eichen-Optik mit Stamm, Blättern und sogar Löchern in der Baumkrone. Hergestellt wurde die Briefmarke aus Holz von der österreichischen Firma rausgebrannt – ein junges innovatives Unternehmen, das sich auf kreative Ideen und deren Umsetzung spezialisiert hat.

rausgebrannt und die Österreichische Post zeigen in einem interessanten Video die Produktion dieser ganz speziellen Briefmarke:

Wir präsentieren voller Stolz, unsere Marke aus Holz!Unser Marken-Highlight dieses Jahr: Eine Briefmarke aus echtem Eichenholz! 🌳🐿️ Hier zu sehen bei der aufwendigen Fertigung durch das Wiener Unternehmen "rausgebrannt". Zu bestellen gibt es das edle Stück ab heute unter: www.post.at/eiche

Publié par Österreichische Post AG sur vendredi 28 juillet 2017

Briefmarke aus Holz – nicht nur in Österreich zu finden

Briefmarke aus Holz Gabun
Holzbriefmarke aus Gabun (© Alain Vermeulen – fotolia.com)

Schon in den 1980ern gab es erste Holzbriefmarken aus verschiedenen Ländern, z. B. eine auf Holz gedruckte Briefmarke aus Gabun  anlässlich des 19. UPU-Kongresses 1984. Auch Dschibuti und Paraguay brachten schon früh hölzerne Briefmarken heraus.

Später folgten weitere Ausgaben wie z. B. die Schweizer Holzbriefmarke aus Fichtenholz aus 2004, eine italienische Briefmarke aus 2007 mit der Basilika San Vincenzo in Galliano, australische Marken aus 2015 mit einem Zitroneneukalyptusbaum oder aber eine Briefmarke von 2014 aus Neuseeland, das anlässlich der Verfilmung des „Hobbits“ eine Reihe von Briefmarken verausgabte, von denen eine Marke, die Beutelsend im Auenland repräsentiert, mit Holzspänen einer Eingangstür aus dem Film bestreut ist.

Holzduft

Sandelholz Briefmarke Indien
Duftendes Sandelholz aus Indien (© spatuletail – shutterstock.com)

Außer Konkurrenz laufen Marken, die nicht auf Holz gedruckt sind, aber nach Holz duften, wie z. B. Indiens erste Duftbriefmarke aus 2006, die mit Sandelholz beduftet ist. Brasilien gab 1999 eine Briefmarke aus, die nach verbranntem Holz riecht, um auf die verheerenden Auswirkungen von Waldbränden aufmerksam zu machen.

Fest steht jedenfalls, dass Holz ein ganz besonderer Werkstoff ist. Ein lebendiges Material, das sich je nach Luftfeuchtigkeit und Alter verändert, es kann reißen und sich verformen. Aber es hat auch eine ganz spezielle Haptik, es duftet – auch wenn es nicht künstlich beduftet wurde – und jedes Stück ist ein wirkliches Unikat.

Neben diesen Briefmarken aus Holz gibt es noch viele andere Wertzeichen, die aus außergewöhnlichen Materialien hergestellt sind: aus Kork, Textil, Metall, Leder, Glas, Porzellan und wohl noch vielen weiteren speziellen Werkstoffen. Dazu wird es sicherlich hier noch den einen oder anderen Beitrag zu lesen geben!

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